Unsere wärmste Segelwoche bisher: Die Skipper und Jakob reisen am Freitag bei 38° an. Am Abend bei Ankunft in Heiligenhafen sind es noch immer 30°. Die Hitze bleibt auch am Samstag: Bootsübernahme, Großeinkauf und Verstauen der Lebensmittel bringen uns ins Schwitzen.
Dann beginnt das Warten auf die mit der Bahn anreisende Crew. Ihr Zug fuhr zu spät los, der Anschlusszug wurde entsprechend verpasst. Die für einen ICE unglaublichen zwei Stunden - nach Fahrplan - von Hannover bis Hamburg wurden noch bei weitem übertroffen.
Schließlich treffen unsere Mitsegler mit über zwei Stunden Verspätung gegen 19:30 Uhr ein. Für den geplanten Start am frühen Abend ist es zu spät. Wir kochen am Schiff. Beim Abendessen im Cockpit gesellt sich eine Schwalbe zu uns.
Trotz der langen Bahnfahrt sind am Sonntag alle früh wach. Wir haben fünf junge neue Mitsegler und Mitseglerinnen dabei. So gibt es eine ausführliche Einweisung. Auch das Ablegemanöver wird nach dem Frühstück durchgesprochen. Die Wassertanks sind gefüllt, das Stromkabel ist eingeholt. Kurz vor halb zehn werfen wir die Leinen los, holen die Fender ein für die Ausfahrt zwischen den eng stehenden Dalben. Dann geht es die lange Ausfahrtrinne hinaus zum Fehmarnsund, während die Festmacher aufgeschossen und verstaut werden. Nach Erreichen der grünen Tonne 1 setzen wir die Segel.
Der Himmel zeigt nur leichte Bewölkung. Es ist warm und bei dem leichten Südwind muss der Motor unterstützen. Um 12 Uhr nehmen wir Kontakt mit unserer zweiten Yacht MARIE JOELLE auf und entscheiden uns daher für ein Ziel im Westen.
So können wir wirklich eine Zeitlang segeln und nehmen Kurs auf die Schlei. Als nach einer Stunde der Wind noch schwächer wird, legen wir eine Badepause ein. Ein Fender wird als Badeinsel ausgeworfen und erfreut sich großer Beliebtheit.
Auf Deck hat sich inzwischen eine friedliche "Sächsische Wespe" niedergelassen und wartet wohl auf größere Ufernähe.
Mittlerweile hat der Wind auf West gedreht und wird noch schwächer. Mit segeln wird es nichts und wir motoren die nächsten vier Stunden zur Schlei.
Uns begegnet die Dreimast-Barkentine "ATLANTIS". 1905 als Feuerschiff auf der Elbe eingesetzt, wurde sie 1984 zum Großsegler umgebaut. Sie bietet 32 Gästen Platz zur Ostsee-Kreuzfahrt mit zweieinhalb Segeltagen und sonst Fahrradtouren an Land in einer Woche für einen viermal höheren Preis im Vergleich zu unseren Touren.
Bevor wir die Schleimündung erreichen, rauscht die erst in diesem Jahr fertig gestellte Luxusyacht des amerikanischen Multimilliardärs mit russischen Wurzeln Len Blavatnik in Richtung Kiel vorbei. Die 109 Meter lange Yacht soll ca. eine drittel Milliarde gekostet haben. Blavatnik unterstützte mit großen Summen den Wahlkampf von Trump und auch von Biden. So war es egal, wer die Wahl gewinnt. Er kann stets seinen Einfluss geltend machen.
Wir sind in der Schlei angekommen, finden einen großen Liegeplatz in Maasholm. Die MARIE JOELLE kann ein paar Plätze weiter anlegen. Einige genießen die großartigen Fischbrötchen am Hafenstand.
Am späten Abend färbt die untergegangene Sonne Himmel und Meer leuchtend rot.
Am Montag setzen wir früh die Segel und können nach der Schleiausfahrt die ganze Tour nach Faaborg auf Fünen segeln. Dabei brist es mittags auf 5 Bft. auf. Um 14 Uhr rauschen wir an der NW-Ecke der Insel Aerö vorbei.
Mit knapp 24 Knoten Wind und wenig Wellen segeln wir über 8 Knoten schnell. Wie man sieht, können geübte Segler die gut getrimmte Yacht bequem mit einer Hand steuern.
An Avernakö vorbei folgt eine landschaftlich schöne und wegen der vielen Flachgebiete navigatorisch interessante Passage in den Faaborg-Fjord. Heute ist die MARIE JOELLE vor uns im Hafen und wir legen nach nur 5 Stunden Fahrt in einer freien Box neben ihr an.
Es ist noch früher Nachmittag und als verspätetes Mittagessen gibt es auf besonderen Wunsch trotz des warmen Wetters die jedes Jahr beliebte Hühnersuppe.
Beim Spaziergang in die Stadt zum Eisessen entdecken wir urige Bänke, jeweils geschnitzt aus einem Baumstamm. Dabei sitzt man u.a. auf Rüssel und Stoßzahn eines Mammuts.
Nach den Käsespätzle und Eisbergasalat genießen wir wieder einen farbenprächtigen Sonnenuntergang. Anschließend steigt der Vollmond auf.
Dienstag - teilweise sonnig, aber kein Wind mehr zum Segeln. Bei lauen Lüftchen aus westlichen Richtungen wollen wir in den Kleinen Belt nach Assens fahren. Das ruhige Wasser nutzen wir mittags wieder zu einer Badepause.
Tarzan spielen am Spinaker-Fall und hinterherziehen lassen am langen Seil bringen Abwechslung.
Dabei sind nach den heißen Tagen die Wassertemperaturen für Ende Juni recht erträglich.
Zum Aufwärmen nach dem kühlen Bad genießen wir Milchreis mit Apfelmus, Zimt und Zucker.
In Assens, an der Westseite von Fünen, können wir im flachen Yachthafen am ersten Steg-Kopfende anlegen. Später legt die MARIE JOELLE und noch ein Trimaran an uns an.
Einige nutzen die Leihfahrräder im Hafen zur Stadtbesichtigung.
Am Abend werden Himmel und Meer wieder prächtig rot.
Auf unserem Kurs kommen uns Yachten mit Spinaker entgegen - hier mit im Segel aufgedrucktem "Fuchur", dem Drachen aus Michael Endes "Unendliche Geschichte".
Mittwoch verschlechtert sich das Wetter. Es bleibt noch ziemlich windstill, soll aber am Donnerstag auf Südwest drehen und ab mittags bereits sehr stürmisch werden. Freitag soll der Sturm noch zulegen. So entscheiden wir uns heute für eine längere Strecke, fahren knapp 45 Seemeilen nach Marstal, um Donnerstag mittags vor dem Sturm in Heiligenhafen anzukommen.
Der Wetterumschwung kündigt sich deutlich an. Wir haben Glück und können die Regenschauer von weitem beobachten.
Im engen Mörkedyb bleibt nach Echolot-Anzeige kaum eine handbreit Wasser unterm Kiel. Dabei sind wir dicht neben der Tonne im Fahrwasser, das eine Mindesttiefe von 3,5 Meter haben soll.
Während bei uns Wellen und Wind verschwunden sind, gehen über den Inseln starke Regenschauer nieder.
Der große Rundsteg am Ende des Yachthafens in Marstal ist völlig leer. Wir können uns als erste einen Platz aussuchen. Nach dem Anlegen ist Zeit für einen saftigen Apfel-Streuselkuchen.
Auf dem Weg zur Stadt landen wir zunächst auf dem großen Abenteuer-Spielplatz.
Es ist wieder sonnig geworden
und zur Nacht erscheint ein kräftig oranger Vollmond über dem Horizont.
Es ist wohl die berühmte Ruhe vor dem Sturm.
Die Nacht bleibt ruhig und am frühen Morgen ist der Himmel freundlich.
Dennoch legen wir noch vor 7 Uhr leise ab. Aber das Bugstrahlruder weckt dann doch alle auf.
Mit frischem Südwest-Wind verlassen wir Marstal. Nach der Ausfahrt aus dem Klördyb setzen wir gleich gereffte Segel. Hoch am Wind können wir lange den Kurs nach Fehmarn halten. Erst gegen Mittag bei Fehmarnsand sind Kreuzschläge nötig, da der Wind langsam nach SSW und schließlich auf Süd dreht.
Mit drei Wenden kommen wir an der Südwest-Ecke von Fehmarn vorbei und segeln noch bis zur betonnten Einfahrtsrinne von Heiligenhafen. Am Tanksteg warten bereits mehrere Yachten auf den Tankwart. Da fahren wir lieber gleich an unseren Liegeplatz im Yachthafen, bevor der angesagte Starkwind kommt. Tatsächlich bläst es eine Stunde später bereits kräftig, während wir gemütlich Kuchen essen und auf die MARIE JOELLE warten. Abends haben wir Zeit für ein ausgiebiges Abendessen: Hähnchenbrust mit Sahnesauce und Buttergemüse, zum Nachtisch Rote Grütze mit Schlagsahne.
Nachts pfeift der Wind in den Masten. Am Freitag stürmt es wie vorhergesagt. So sind wir froh, bereits im Hafen zu sein.
Aufräumen und Bordputz sind angesagt. Mittags gibt es vor der Abfahrt Würstchen mit Kräuterbaguette, hinterher Kuchen.
Es geht pünktlich zum Bahnhof, dann beginnen wieder die inzwischen üblichen Bahn-Verspätungen. Der ICE sollte von Kiel nach Frankfurt durchfahren, doch müssen alle in Hannover aussteigen und dort auf den nächsten Zug warten. Mit 90 Minuten Verspätung kommen alle wohlbehalten nachts in Frankfurt an.